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Samuel sitzt in seinem Zimmer und schreibt an seinem Wunschzettel für Weihnachten. Seit er in die Schule geht macht er das jedes Jahr in der Adventszeit und wie jedes Kind freut er sich auf Weihnachten. Er mag den Duft der frisch gebackenen Plätzchen, den bunt geschmückten Weihnachtsbaum und natürlich die vielen Päckchen, die unter dem Baum liegen. Vor der Bescherung singt er mit seinen Eltern und Geschwistern Weihnachtslieder und der Vater liest die Weihnachtsgeschichte vor.

An die Geschichte von der Geburt Jesu im Stall von Bethlehem denkt der Junge auch jetzt während des Schreibens seines Wunschzettels. Er erinnert sich, welche Mühe die heilige Familie hatte, eine Unterkunft zu finden und wie sie am Ende durch die heiligen Könige reich beschenkt wurde.

Während er so dasitzt und den Wunschzettel gestaltet, überlegt er, wie es Maria und Josef wohl heute ergehen würde.

Würden die Menschen sie auch abweisen?
Könnte so ein kleines Baby in unserem Land und in der winterlichen Kälte denn überhaupt gesund geboren werden?
Und was würde er, Samuel (wenn er einer der drei Könige wäre), dem Neugeborenen schenken?

Schnell wird ihm klar: statt Weihrauch und Myrrhe würde er dem Baby dicke Socken und eine warme Decke schenken. Und dazu noch einen Babyschnuller, falls das heilige Kind mal nicht gut einschlafen kann. Samuel findet dicke Socken einfach viel praktischer als Weihrauch.

Der Stern

Samuel kennt die Weihnachtsgeschichte gut, denn er weiß, dass die Könige einem Stern gefolgt sind und so zum Stall nach Bethlehem kamen. Wie sonst hätten die Könige wissen sollen, welches Kind denn nun der Heiland ist. Er fragt sich jetzt außerdem, ob nicht vielleicht in all den vergangenen Jahren ein weiteres, heiliges Kind zu Welt gekommen ist. Eines, dass ebenso den Schutz und die Wertschätzung aller verdient hätte? Immer weiter denkt der Junge nach, seine Gedanken überschlagen sich fast schon während sie in seinem Kopf herumschwirren.

Ist nicht jedes Kind ein wichtiges Kind?
Hat nicht jeder Mensch Wärme, Obdach und Nahrung verdient?

Samuel wird ganz langsam klar, welcher Sinn hinter der Weihnachtsgeschichte steht: sie soll die Menschen zum Nachdenken, zum Mitfühlen und zum Teilen Anregen.

Andere Kinder und Wunschzettel

Der kluge Junge weiß aus den Nachrichten, dass es Weltgegenden gibt, in denen nicht alle Menschen eine Wohnung haben oder täglich etwas zu essen bekommen. Er hat sogar schon einmal einen Bericht gesehen, in dem Kinder gezeigt wurden, die ohne Eltern auf der Straße leben. Manche von ihnen hatten wenigstens einen Hund, der sie beschützt. Ein kleines Stückchen Glück im großen Unglück, findet er. „Diese Kinder würden sich sicher auch viel mehr über ein paar dicke Socken oder eine warme Decke freuen, als über drei Könige, die ihnen Weihrauch und Myrrhe mitbringen.“ schmunzelt er in sich hinein.

Irgendwie mag er jetzt gar nicht mehr an seinem Wunschzettel arbeiten, denn im Grunde hat er doch alles was er braucht. Er hat liebende Eltern, ein eigenes Zimmer, genug zu essen, jede Menge Spielsachen und Bücher und er hat seinen Hund.
Er schaut sich in seinem Zimmer um und beginnt einige Dinge aus den Regalen zu räumen. Den großen Plüschteddy braucht er nicht mehr, er ist ja selbst schon ein großer Junge. Die vielen Bilderbücher braucht er auch nicht mehr, er kann schon selbst lesen. Den warmen roten Pullover braucht er auch nicht mehr, er ist ihm zu klein geworden. Nach und nach sammeln sich in der Zimmermitte allerlei Sachen, die Samuel nicht mehr benötigt.

Er packt sie alle in die große Spielzeugkiste und schreibt auf seinen Wunschzettel:

Liebes Christkind, bitte bringe diese Sachen zu den Kindern, die sie gebrauchen können. Das wünsche ich mir zu Weihnachten.

Samuel hat nämlich eines erkannt:

  • Man muss nicht unbedingt in einem Stall zur Welt kommen, um die Welt zu verändern.
  • Es genügt, ein einfacher Junge zu sein, der die Welt mit wachen Augen betrachtet.
  • Es genügt, ein wenig von dem was man hat, abzugeben.
  • Es genügt, freundlich zu seinen Mitmenschen zu sein.

Dann kann jeden Tag Weihnacht sein.

Text: Oma, die Schreibtante

Bild: Fotolia.com / © cirodelia

 

SOS Kinderdörfer

Auch in diesem Jahr widmen wir unseren Weihnachtsgruß wieder Kindern in Not.

Überall auf der Welt gibt es verlassene Kinder, die Hilfe benötigen. Viele haben aufgrund von Krieg, Armut und Gewalt ihre Eltern und Familien verloren. Diese Kinder unterstützen wir mit Patenschaften über die Organisation SOS-Kinderdörfer und geben ihnen somit die Chance auf eine bessere Zukunft.

In einem SOS-Kinderdorf bekommen die Kinder alles, was sie benötigen: sie wachsen behütet in einer SOS-Familie auf und haben eine SOS-Mutter, die sie wie eine richtige Mutter versorgt und ihnen Geborgenheit gibt. Sie erhalten Liebe und Fürsorge und natürlich Essen, Kleidung, Spielsachen, medizinische Versorgung und eine Ausbildung.

Im Dezember 2015 haben wir unseren „Partnerkreis Soziales Engagement“ ins Leben gerufen und konnten darüber über 50 Kinder in Syrien, Libanon, Jordanien, Paraguay und Vietnam mit Kindpatenschaften unterstützen.

Keines dieser Kinder hat eine schöne Vergangenheit, aber alle haben Träume und Wünsche und blicken optimistisch in die Zukunft.

 

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten!